Volker Saul (27.06. - 09.08.2003): Pressetext.

In seiner sechsten Einzelausstellung in der Galerie Gabriele Rivet, Köln präsentiert Volker Saul neue Papierarbeiten, Installationen und Skulpturen. Die hier gezeigten Arbeiten bieten einen Einblick in eine neue Werkphase des Künstlers.


Waren die früheren Objekte Volker Sauls vor allem von signalfarbenen Monochromien bestimmt und somit von unmittelbar zeichenhafter Klarheit und Präsenz, so ereignet sich an der Oberfläche der neuen Objekte ein Niederschlag malerischer Raffinesse und ästhetischer Opulenz. Die Klarheit und Unmittelbarkeit der früher monochromen Farbigkeit weicht nun einem Interesse an Bewegung und Dynamik farbiger Bänder, mäandernder Schleifen und Schlieren, oder dem All-Over tropfenförmiger Strukturen. Farbe betont hier nicht mehr allein den zeichenhaften Formcharakter, sondern beginnt in einem ambivalenten Spiel einen eigenständigen Dialog zwischen malerischer Oberfläche und konkre-ter Form.


Neu ist hierbei der Umgang mit malerischen Verfahren, die an der Oberfläche farbige Strukturen er-zeugen, die - aus mehreren Farbschichten aufgebaut - zu einer nuancierten und bisweilen räumlichen Wirkung führen. Der so entstehende Tiefeneffekt und ein Farbauftrag von impulsiver Intensität ver-leiht den Objekten eine vital-emotionelle Komponente, die sich kontrastierend zur präzisen Formset-zung der zeichenhaften Objekte verhält.
Bei aller physischen Präsenz ist den Arbeiten Volker Sauls ein Charakter vager Unbestimmtheit zu Eigen. So sind die neuen Objekte eher als prozessuale Aggregatzustände zu beschreiben, als denn in ihrer konkreten Fassbarkeit zu benennen. Der materiellen Gewichtung der Objekte steht eine Virtu-alisierung des Konkreten entgegen.


Das Wesentliche ihrer Kraft entsteht zwischen gegensätzlichen Polen, eine spannungsreiche und ambivalente Melange, die weder das eine noch das andere als absolute Setzung meint. Sauls Werke bleiben in ihrem konstruktiven Widerspruch produktiv offen und lassen sich auf komplexe Art und Weise in verschiedene Richtungen lesen. Für den Betrachter werden sie zu mehrdeutigen Ereignis-sen und fordern unsere Wahrnehmung aufs immer wieder Neue heraus.
Gerd Borkelmann