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C heißt hier Du siehst
Denkbar unterschiedlich: Fünf Installationen von Volker Saul.
Von Sabine Müller
Volker
Saul zeichnet. Die zahllosen Blätter, die er im Laufe der Jahre mit
Linien füllte, müssten sich aufeinandergeschichtet zu meterhohen
Stapeln auftürmen lassen. Dabei geht es gar nicht so sehr um die
Zeichnung. Es geht um Zeichen. Um die Doppelbödigkeit der Linie,
die nur mit Mühe einfach als solche erfasst werden kann, ohne an
einen konkreten Gegenstand zu erinnern oder an Schrift - wenn auch vielleicht
an eine, die wir nicht kennen. Und es geht um ihre Doppelgesichtigkeit:
Die Linie hat immer an beiden Seiten Anteil, an Innen und Außen,
an der Positiv- und der Negativform. Es gibt keine Leere zwischen den
Linien.
Volker Saul denkt räumlich. Er löst seine Zeichen aus der Zeichnung
heraus und stellt sie als plastische Objekte in den Raum. Die Linien werden
zu massiven Körpern, die genau doppelt so tief wie breit sind. Das
Zeichnen wird dreidimensional, wodurch sich seine Beziehung zum Raum grundsätzlich
ändert, aber es wird dadurch nicht autonom. Saul setzt seine, bezeichnenderweise
von ihm Module genannten Einzelstücke niemals für
sich alleine sprechend an die Wand. Diese völlig entspannten, sich
ja tatsächlich aus dem Fluss des Zeichnens heraus erklärenden
Formen werden stets in ein Beziehungsgeflecht aus Körper, Raum und
Linie eingespannt.
Volker Saul beschäftigt sich mit der Farbe. In mehreren Arbeitsgängen
des Auftragens und Schleifens wird mit dem Spachtel Farbe auf die Module
aufgezogen. Dadurch werden ihre Oberflächen sehr glatt und ebenmäßig,
aber auch hoch sensibel und reizbar für das Licht. Die enorme Sorgfalt,
die sich hier bei näherem Betrachten zu erkennen gibt, sorgt für
einen individuellen Charakter, der ihrer vordergründigen Gleichartigkeit
entgegensteht.
Auf diese Art und Weise hat sich Volker Saul ein Repertoire geschaffen,
mit dem er nun ganz frei umgehen kann. Die Ausstellung zeigt fünf
denkbar unterschiedliche Installationen, bei denen auch Wandmalerei einbezogen
wird. Eine Skulptur ist hier sogar als Einzelstück an der Wand möglich,
wobei ein Bezugspunkt durch eine kreisförmige Wandmalerei hergestellt
wird. Dabei wird die Farbigkeit des Zeichenkörpers durch die Arbeit
mit Pigment statt mit Acrylfarbe noch stärker individualisiert. In
einem anderen Fall bietet eine Schwefel gelbe Wandfläche einen starken
Kontrast zu dunkelviolettenBuchstaben. Hier handelt es sich
um konstruierte, also nicht frei entstandene Formen, die eine Entzifferbarkeit
als Schrift intendieren, ohne sich letztendlich so genau festlegen zu
lassen.
Eine mit den Gestaltungsmitteln von Werbetafeln oder Logos spielende Auseinandersetzung
wird besonders bei der fünfteiligen Arbeit You C gesprochen:
You see/Du siehst) auf grasgrünem, stark an Sport, farbigen Streifen
auf Trikots etc. erinnernden Grund deutlich. Bei der Raumarbeit, Drei
Stücke über zwei Ecken werden farblich sehr unterschiedliche,
formal oder ähnliche Elemente räumlich weit auseinander gezogen.
Eine Verbindung wird durch einen ganz schmalen, farbigen Wandstreifen
hergestellt, Schließlich rundet sich der Raum in einer Bodenarbeit
aus zehn schwarzen, eng zueinander geordneten Modulen, deren fließende
Formen durch das silbrige Scheinen und Schimmern der Oberflächen
wie bewegt erscheinen.
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