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SCHWÜNGE
IN KNALLIGEM BLAU
Volker Saul spielt mit der Wirkung von Form und Farbe
Enno Stahl
Neue
Wandskulpturen von Volker Saul, sämtlich ohne Titel, zeigt die Galerie
Rivet. Namen und Mottos sind bei diesen reduzierten Arbeiten denn auch
nicht nötig, sie lenkten ab vom Eigentlichen: der Farb-Form-Wirkung.
Schlichte, dynamische Elemente hat Saul aus MDF, Feinpreßspan, herausgeschnitten,
einem Material, das häufig für Industrie-Design verwendet wird.
Doch diese Wahl ist nicht bedeutungsmotiviert, sie beruht allein auf einer
freien Handhabbarkeit dieses Wekrstoffs: daß er ein genaues Arbeiten
und sehr glatte Schnitte ermöglicht. Zugleich tritt er stofflich
nicht in Erscheinung, dient als quasi anonymer "Träger"
der Farbe, die mit dem Spachtel aufgetragen wird.
Saul verwendet pure (d.h. ungemischte) Signalfarben, es entstehen leuchtkräftige
Wandobjekte, Formen, wie in der Bewegung geronnen. Das erinnert zunächst
wirklich an industrielle Dekor-Produkte, da sie so technisch einwandfrei
gearbeitet sind. Genaueres Hinsehen allerdings macht den Arbeitsprozeß,
die Handfertigung sichtbar. Zudem sind diese Gegenstände verwendungsfrei
und bedeutungsleer: sie sind wie unentschlüsselbare Chriffren, Zeichen
einer bloßen Abstraktion. Daher lassen sie sich fast beliebig variieren:
zwar sind hier in einigen Arbeiten mehrere Details zu einem Ensemble zusammengestelllt,
doch betrachtet Saul diesen Kontext nicht als fest. Die Möglichkeit
zu spielerischen Veränderungen der Kombinationen ist stets gegeben,
weil jedes Stück in inhaltlicher Offenheit eigenbestimmt bleibt.
Neben den suggestiven Wellenschwüngen, vornehmlich in knalligem Blau
und Rot, existieren mehrteilige Linienstrukturen, die wie hochgezogene
Grafik-Raster erscheinen - und zwar ist der Maßstab so sehr vergrößert,
daß die einzelnen Raster-Elemente als Objekte wahrgenommen werden
können.
Diese skulpturalen Arbeiten sind Resultate eines länger währenden
Verdichtungsprozesses: einige exemplarische Zeichnungen, die Saul mit
Ölfarben direkt aus der Tube aufs Blatt gebracht hat, dokumentieren
diese Entwicklung hin zu einer weitgehenden Vereinfachung und Reduktion,
welche erst in den Objekten eine endgültige, eine ebenso notwendige
wie konzentrierte Qualität findet.
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