|
Volker
Saul setzt seine Auseinandersetzungen mit der Zeichnung konsequent fort.
Waren es ab Mitte der achtziger Jahre zunächst weiße Kreidezeichen.
Die wie geheime Systeme in den dunklen Farbschichten auf - und abtauchten,
variiert der Kölner Künstler später das Spiel mit Zufall
und Kalkül in seinen "Tubenzeichnungen", bei denen er direkt
mit der Öltube auf Papier zeichnete. Das Phänomen des Schreibens
als ein motorischer Vorgang beziehungsweise Findungsprozeß autonomer
Zeichen wurde bald ein zentrales Thema in der künstlerischen Arbeit
Volker Sauls. Und nun ist aus der Linie Skulptur geworden.
In den nicht einfachen, aber für jede Installation natürlich
reizvollen Räumen der Kölner Galerie Gabriele Rivet hat Saul
seine minimalistischen Skulpturen im Dialog mit der Architektur installiert.
Anders als in den vorherigen Ausstellungen bei Rivet, wo der 41 jährige
Künstler präzise zeichnerische Eingriffe im Raum vornahm, handelt
es sich bei den mit handschriftlichen Linien assoziierbaren Skulpturen
jetzt um autonome Wandarbeiten. Die von rhythmischen Kräften bestimmten
Linien formieren sich im Raum zueinander - wie schon angemerkt - und in
Abstimmung mit dem Umraum. Sie formieren sich zu einer spannenden Syntax,
was sich sodann wie ein beeindruckend präzise und überzeugend
gesetzter Kommentar auf die räumlichen Gegebenheiten liest.
Die scharfkantigen, intensiv farbigen und monochromen Linienskulpturen
sind handwerklich exakte Übertragungen einiger, aus zahllosen Beispielen
sorgfältig ausgewählter Schrift-Zeichnungen. Die Strichbreite
der Linien bleibt im Verlauf stets konstant, sobald diese variiert, verändert
sich entsprechend die Tiefe der aus massivem MDF gefertigten Plastiken.
Die Schwere beziehungsweise Körperhaftigkeit der Plastiken scheint
einmal durch spezifische Oberflächenbehandlung relativiert. Die Skulpturen
wurden mit mattem Acryl gespachtelt, nur ganz subtile Prozeßspuren
sind sichtbar. Reflexionen, die bei glänzenden Oberflächen das
Volumen optisch vergrößern, fallen so weg . Zum anderen relativiert
sich die Schwere durch die Ambivalenz in der skulpturalen Komposition,
in der gewissermaßen dass spontane Moment des Schreibens eingefroren
ist und sich zur Skulptur erhebt.
Saul hat Anfang der neunziger Jahre seine aus gleichförmigen Platten
bestehende Bodenplastik "variables System" genannt, das je nach
Konstellation entropische Auflösung oder auch die Dekonstruktion
von Konfigurationen zu visualisieren vermochte. Diese Eigenheit scheint
trotz aller Autonomie der aktuellen Arbeiten auch für sie in gewisser
Weise zutreffend, ganz sicher jedoch die von Donald Kuspit für die
Abstrakten Maler der US Moderne gemachte Beobachtung: "nach außen
hin perfektionistisch, insgesamt jedoch an Spontaneität interessiert".
|